Fernlehrgang „Autorin werden – schreiben lernen“

Ich war quasi schon alt, als ich meine Fachhochschulreife abschloss, irgendwo Anfang dreißig. Mein damaliger Mann wollte die Fachhochschulreife nachholen, da er ein Studium anvisiert hatte. Er war bei der Bundespolizei und wollte gerne in den gehobenen Dienst. Naja, was sollte ich in meiner Freizeit, neben dem Vollzeitjob und meinem Pferd, so allein zu Hause rumsitzen, dann machte ich halt mit: „Da hab ich was in der Hand… Da hab ich was Eigenes. Da hab ich mein Jodeldiplom.“ ( Zitat Loriot aus der „Kosakenzipfel“). Wir haben die Fachhochschulreife in Bayern über das Telekolleg erarbeitet. Ich weiß gar nicht, ob es das heute noch gibt: Fernsehsendungen zu den entsprechenden Themen. Der Lehrstoff wurde über die Mattscheibe von Damen und Herren aus den 70ern verabreicht, sehr gut an den Pullundern in lebendigen Farben zu erkennen. Samstags ging es in die Schule, in den Präsenzunterricht, der Rest war Selbstdisziplin. Nach zwei Jahren Fernsehen, Samstagen im Schulgebäude und Bücher wälzen, war es geschafft: Ich hatte meine Fachhochschulreife! Hurra! Und jetzt? Nix. Die Fachhochschulreife machte sich in meinem Lebenslauf gut, mehr aber auch nicht. Später, im weitaus noch reiferen Alter von über fünfzig Jahren, man mag es kaum glauben, kam mir doch glatt meine Fachhochschulreife wieder in den Sinn. Schuld daran war eine Werbebroschüre der ILS. Tolle Studiengänge wurden präsentiert zu, meiner Meinung nach, saftigen Preisen. Aber wie der Zufall es wollte, hatte diese Werbebroschüre auch gleich ein Rabattangebot für mich im Gepäck: 25% Nachlass auf…, wenn… Da konnte ich natürlich nicht „nein“ sagen. Ich klappte die Broschüre auf, kreiselte mit meinem Zeigefinder irgendwo in der Luft herum und sagte: „Der Studiengang, auf dem mein Finger landet, gehört mir, den werde ich studieren!“ Mein Finger stürzte wie ein Greifvogel in die Tiefe und landete auf dem Kurs „Autor werden – Schreiben lernen; Die Autorenwerkstatt“. Ein Zeichen! Ich fand das tatsächlich recht lustig, weil mir Schreiben zum einen bekanntlich viel Spaß machte und ich zum anderem für diesen Kurs meine Fachhochschulreife gar nicht benötigte. Dieser Kurs war kein richtiges Studium, sondern ein Lehrgang. Trotzdem, ich habe ihn gebucht und 18 Monate, wieder neben meinem Vollzeitjob, vieles rund um das Thema Schreiben gelernt. Ich durfte in den Bereich Journalismus reinschnuppern, einiges über die Entstehung von Sachbüchern und Biografien lernen, Krimis untersuchen, Drehbücher und natürlich Kinderbücher analysieren. Neben den einzelnen Themenbereichen zu Büchern, wurde Wissen über zum Beispiel Lyrik, stilistische Mittel, die Sprache an sich und vieles mehr angeschnitten. Zu jedem Thema mussten Hausaufgaben eingereicht werden. Ich habe einen kurzen Krimi verfasst, ein Bereich, den ich nach dem Feedback des Tutors gleich wieder verlassen hatte. Ich habe ein Drehbuch begonnen – auch nicht so wirklich mein Talent. Ich habe Zeitungsartikel geschrieben, Gedichte, die sich reimen oder auch nicht, erfunden und und und… Als der Themenblock „Kinderbuch“ dran war, hatte ich so gar keine Lust darauf. Was bitte schön ist spannend daran, ein Kinderbuch zu schreiben. Und dann umfasste dieser Themenbereich auch noch drei!!! Lehrbücher. Aber es nützte ja nichts, auch dieser Block musste abgeschlossen werden.  Am Ende des Tages war das Kinderbuch genau das, was mir am meisten Spaß und Freude gemacht hat. Während dieser Zeit sind meine beiden Freunde Murgel & Mots entstanden. Sie halfen mir, wenn ich keine Lust mehr zum Lernen hatte, frustriert war, weil alles nicht so funktionierte wie ich es wollte oder ein Feedback eines Dozenten mit sehr vielen Tipps und Anregungen retour kam. Ich brauchte gute Laune? Dann habe ich mich in den Wunderwald verdrückt und mit den beiden Monstern Abenteuer erlebt. Ich glaube, der Lehrgang hat mir gut getan. Er hat mich ein wenig in die für mich richtige Richtung geschubst und mir den Mut verliehen, meine Geschichten aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Ich habe so viel dazu gelernt.

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