Tanz in den Mai

Fröhlich singend und pfeifend tanzt Murgel durch den Wald, um seinen Freund abzuholen. Mots weiß noch nichts von seinem Glück, denn Murgel liebt es, Freunde zu überraschen. Mots mag es eigentlich nicht so sehr überrascht zu werden, aber das vergisst Murgel jedes Mal wieder, weil Mots sich am Ende eigentlich doch immer über die Überraschung freut. Murgel hat den ganzen Tag mitgeholfen, auf der Lichtung im Zauberwald alles für den heutigen Abend vorzubereiten. Der dekorierte Maibaum ist aufgestellt und leuchtet mit seinen bunten Bändern, die im leichten Wind wehen. Die leckere Maibowle aus Waldmeister ist fertig und steht frisch und gekühlt zum Trinken bereit. Die Musikband bereitet sich und ihre Instrumente auf ihren Auftritt vor und viele strahlende Lampions hängen in den Bäumen. Murgel klatscht vor lauter Vorfreude in die Hände.

Angekommen. Murgel klopft gut gelaunt, aber nicht zu kräftig, damit Mots sich nicht erschreckt, an dessen Holztür. Klick, der Schlüssel wird im Schloss umgedreht und die Tür öffnet sich einen Spalt breit. Ein grünes Auge lugt hindurch. „Jaaaaa?“ Murgel schaut seinen Freund, beziehungsweise das Auge seines Freundes, erstaunt an. „Warum öffnest du die Tür nicht? Ich komme, um dich abzuholen. Wir wollen mit allen Waldbewohnern in den Mai tanzen,“ sagt Murgel vorsichtig. „Auf keinen Fall,“ flüstert Mots, „ich komme auf keinen Fall mit und du bleibst besser auch zu Hause!“ Murgel ist sprachlos, er weiß gar nicht was er sagen soll. Hat er etwas vergessen oder nicht mitbekommen? Er kratzt sich mit seiner blau befellten Hand am Kopf und überlegt. Ihm fällt aber nichts ein. „Weißt du denn nicht, was heute für ein Tag ist?“, fragt Mots leise. Murgel strahlt und ruft: „Doch klar, heute ist der 30. April, heute wird in den Mai getanzt. Los komm, wir feiern mit den anderen und begrüßen den Frühling!“ Murgel wirft seine Arme hoch und dreht sich im Kreis. „Neeeeeiiiiin“, kreischt Mots durch den Türspalt, „heute ist Walpurgisnacht. Heute tanzen die Hexen auf ihren Besen rund um das Feuer auf dem Hexentanzplatz und feiern! Ich gehe heute überhaupt nirgendwo hin, damit du es weißt!“ Rums, ist die Tür auch schon ins Schloss geworfen und der Schlüssel wieder umgedreht. Mitten im Tanzschritt bleibt Murgel stehen und blickt erstaunt auf die geschlossene Tür. Dann fängt er schallend an zu lachen, bis ihm die Tränen über das Gesicht laufen. Der Schlüssel dreht sich wieder im Schloss, die Tür wird wieder einen Spalt geöffnet und da ist es wieder, das grüne Auge. Mots sieht durch den Türschlitz, wie sein bester Freund sich vor Lachen krümmt. „Warum lachst du?“ fragt Mots misstrauisch. „Weil,“ Murgel schnappt nach Luft, „weil, das eine Geschichte ist, sie ist nicht wahr, sondern es ist nur eine Geschichte! Du brauchst keine Angst zu haben, es tanzen nicht wirklich Hexen auf ihren Besen, es ist nur eine Legende!“ Mots öffnet die Tür ein Stückchen weiter. „Meinst du wirklich?“ fragt er seinen Freund immer noch etwas ängstlich. „Klar! Ich habe auch schon von der Walpurgisnacht gehört, aber es ist wirklich nur eine Legende. Es gibt sie schon viele Jahrhunderte, es ist aber dennoch nur eine Geschichte. Los komm, die anderen sind bestimmt schon alle am Feiern. Lass uns in den Mai tanzen und den Frühling feiern. Erleichtert, dass er nur einer erfundenen Geschichte aufgesessen ist, geht Mots gerne mit seinem blauen Herzensfreund zum Maifest. Und wie Murgel es gesagt hat, es sind tatsächlich schon alle da. Die Maikäfer spielen auf ihren Instrumenten fröhliche Lieder, die Vögel zwitschern gut gelaunt dazu im Takt. Hasenkinder tanzen gemeinsam mit dem Nachwuchs von Ehepaar Maus und Familie Fuchs fröhlich um den Maibaum. Auch Reh, Hirsch, Bär, Igel und alle anderen Waldbewohner sind schon eingetroffen und begrüßen Murgel und Mots winkend. Es wird ein toller Abend und Mots ist froh, dass Murgel ihn mit dieser großartigen Idee überrascht hat. Mal wieder…

Ende

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