Selfpublishing ist nicht gleich Selfpublishing

Ich wollte gerne mein Buch veröffentlichen. Ich glaube, ich war einfach überfordert. So hatte ich zum Beispiel versucht, mich durch die Regularien bei Amazon durchzuarbeiten. Entweder war ich zu unkonzentriert oder zu dumm. Für mich waren viele Teile dieser Richtlinien völlig unverständlich, verwirrend und warfen mehr Fragen auf, als sie beantworteten. Ich hatte für mich entschieden, dass mir eine Veröffentlichung meines Buches bei Amazon zu riskant war. Ich hatte Angst vor Fallstricken. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich von Natur aus ein sehr vorsichtiger Mensch, mit sehr vielen „was wäre wenns…“ bin.

Beim united p. c. Verlag fühlte ich mich eigentlich gut aufgehoben. Der Vertrag war klar formuliert, so, dass sogar ich das meiste verstanden habe und meine per Mail gestellten Fragen wurden stets beantwortet. Damit hörte meine Recherche auch schon auf. Im Nachhinein denke ich, ich hätte mich vielleicht noch weiter umschauen sollen, aber mir war gar nicht bewusst, wie viele Verlage es gab, die Selfpublishing anbieten.

Ich entschied mich also für den united p. c. Verlag. Nach und nach stellte ich fest, dass ich manches für selbstverständlich gehalten habe, was es aber gar nicht war. So war ich zum Beispiel überrascht, dass man mein Buch nach der Veröffentlichung nicht im Buchhandel kaufen konnte. Diese Frage wurde mir umgehend beantwortet: Ich müsste den „Baustein Buchhandel“ dazu kaufen. Ach, der „Baustein ISBN“ wäre ja auch nicht schlecht, so lässt sich das Buch auch prima finden und wenn wir schon dabei sind, vielleicht auch der „Baustein Buchmesse“? Ansonsten wären noch im Angebot die Bausteine… Mir schwirrte mal wieder der Kopf.

Ich habe nicht viel Geld, was ich mit meinem Vollzeitjob verdiene, benötige ich fürs Leben. Nicht falsch verstehen, ich möchte nicht rumjammern. Uns fehlt es an nichts, wir haben Essen, Kleidung, ein Dach über dem Kopf. Wir können ein gutes Leben führen, nur haben wir eben nicht viel über und das müsste es dann ja nun mal sein.

Im Endeffekt hatte ich doch etwas Geld investieren müssen und mich damit abgefunden. Ich wollte mir so gerne meinen Traum erfüllen und mein Buch mit Geschichten zum Vorlesen veröffentlichen. Und schließlich wollen die Verlage ja auch nicht auf den Kosten sitzen bleiben, das ist verständlich.

Vor wenigen Wochen dann, eröffnet mir jemand im Bekanntenkreis, dass er jetzt Autor ist und ein Bilderbuch veröffentlichen wird. Ich war etwas überrascht, hatte ich diesen Menschen gar nicht so eingeschätzt. Aber ich freute mich für ihn, weil ich ja selbst erlebt hatte, wie aufregend das ist. Ein merkwürdiges Gefühl machte sich in mir breit. Neid? Vielleicht. Ich hatte so viele Verlage angeschrieben und nun kam jemand daher und erzählte er veröffentlicht ein Bilderbuch mit dem Verlag XY. Warum hatte es bei mir nicht geklappt? Wieder diese Selbstzweifel? Neid!

Je mehr ich bei meinem Bekannten nachfragte, desto klarer wurde: Es war alles erkauft. Der Bekannte hatte sich eine kleine Geschichte ausgedacht, soweit ich es verstanden habe mit Hilfe von KI, ebenso wie die Illustrationen. Und den Rest erledigte der Verlag. Eine Veröffentlichung im Selfpublishing, mit allem Drum und Dran. Nun war ich nicht mehr neidisch, sondern wütend. Er hatte mehrere tausend Euro gezahlt und bekommt alles vorgefertigt.

Ich habe unfassbar viel Zeit investiert und mir alles selbst erarbeitet: Ich kreierte Geschichten, ich schrieb alle Texte, die Flyer erstellte ich selbst, die Werbefilmchen waren hausgemacht und alle Fotos selbst geschossen. Ich habe halt nicht so viel Geld, um eine Agentur oder einen Verlag für mich arbeiten zu lassen. Die einzige Unterstützung ist meine Tochter. Sie hilft mir bei der Technik und ist meine schärfste Kritikerin. Welch ein Glück, dass ich sie habe! Der ein oder andere wird jetzt vielleicht sagen: „Was regst du dich auf? Viele deiner Bilder sind auch KI generiert!“. Ja das ist richtig, nur nenne ich mich nicht Illustrator. Die KI-Bilder sollen meine Geschichten mit etwas Farbe begleiten, ich kreiere keine Bilderbücher.

Inzwischen hat sich meine Wut gelegt und ich habe meinen Frieden mit der Situation gemacht. Ich habe gelernt, dass ich stolz auf das bin, was ich zum Leben erweckt habe. Meine Geschichten sind bestimmt nicht fehlerfrei und werden mit Sicherheit auch nicht jedem gefallen und dennoch, ich freue mich über sie, sie sind meine Fantasie. Und mein Bekannter ist stolz auf sich und sein Werk, auf das was er geschaffen hat.

Jeder hat seine eigene, gegebenenfalls andere, Sicht auf die Dinge, jeder gibt sein Bestes. Neid, Eifersucht und Missgunst lohnen sich nicht, sie machen nur „hässlich“…

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