Verlust aller Daten

Ich weiß, ich weiß, ich weiß… Ich sehe es förmlich vor mir, wie sich alle mit der Hand an die Stirn fassen. NEIN, ich habe keine Sicherheitskopie gemacht. Und JA, ich bin schlauer geworden, ich habe daraus gelernt.

Was passiert ist? Das ist passiert: Meinen wunderbaren Lehrgang hindurch, zwei Jahre, ihr erinnert euch, habe ich alle meine Arbeiten, Haus- und Abgabeaufgaben, auf meinem Notebook geschrieben. Alles, was ich seit Beginn des Lehrgangs kreiert habe. Darunter waren Manuskripte für weitere verschiedene Kinderbücher, Ideen für einen Blog über schnelle Nudelrezepte, ein Drehbuch für ein Drama und, und, und. Weil ich ja aber schlau bin, habe ich selbstverständlich alle Daten auf einen Stick gezogen, das Notebook könnte schließlich kaputt gehen, man weiß ja nie.

Meine Tochter, meine persönliche Technikexpertin und -beraterin sagte: „Wenn du den Stick vom Notebook entfernen möchtest, musst du ihn „auswerfen“ lassen.“ Jepp, kein Problem. Ich klickte hierhin, suchte dort rum, scrollte rauf, scrollte runter, schlechte Laune war vorprogrammiert. Wo lasse ich etwas „auswerfen“? Egal, wird schon nicht so schlimm sein. Zack, Stick aus dem Notebook entfernt. Als ich ihn das nächste Mal ans Notebook steckte und meine Daten öffnete, war alles fein. Wusste ich es doch. „Auswerfen“ lassen wird völlig überbewertet.

So ungefähr zwei Jahre vergingen, da tauchte die erste Fehlermeldung auf, als ich auf die Dateien auf dem Stick klickte. Schnell weg mit der Fehlermeldung. Am besten ignorieren. Kam von allein, geht von allein. Irgendwann ließ sich die Fehlermeldung nicht mehr ignorieren, denn ich konnte nicht mehr auf meine Daten zugreifen. Der Datenträger sei defekt, hieß es. Na toll. Da bin ich schon so schlau und speichere alles auf einem Stick, falls das Notebook sich verabschiedet und dann geht der Stick kaputt. Vielleicht, ganz vielleicht wäre es klug gewesen, die Daten sowohl auf dem Stick als auch auf dem Notebook zu speichern.

Erst hysterisch, dann verzweifelt, später im Selbstmitleid suhlend, habe ich erfolglos versucht die Daten wieder herzustellen. Am Ende des Tages hatte sich dann ein Fachmann der Sache angenommen, ebenfalls erfolglos. Er sagte, dass man einen Stick immer erst „auswerfen“ lassen muss, bevor man ihn vom Gerät trennt und dass es scheint, dass dieser Stick eben durch dieses Versäumnis kaputt gegangen sei. Ich durfte den Stick wieder abholen und zu Grabe tragen.

Natürlich sind die Ideen und Geschichten noch in meinem Kopf, ich könnte sie neu schreiben, aber ich kann mich nicht aufraffen, ich habe keine Energie, alles nochmal zu schreiben. Es ist schon merkwürdig. Ich habe diese Geschichten geliebt und jetzt, wo sie weg sind, schaffe ich es einfach nicht, nochmal mit ihnen zu starten. Wahrscheinlich bin ich einfach enttäuscht von mir.

Ich bin sicher, irgendwann kommt der Tag, an dem ich diese Ideen wieder aufgreifen werde. Und dann werden sie auf dem Notebook, einem Stick und in der Cloud gespeichert. Sicher ist sicher!

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