Der Moment, als mein erstes Buch verkauft wurde, war für mich wie Weihnachten und Ostern zusammen. Ein großartiger Moment. Er zählte mit zu den besten Momenten meines Lebens. Ich blickte optimistisch in die Zukunft. Ich sah vor meinem geistigen Auge, wie hunderte, tausende meiner Bücher über den Ladentisch, respektive „onlinetisch“ gingen, wie Erwachsene und Kinder Spaß am Lesen der Geschichten hatten und sich darüber unterhielten, wie toll sie seien.
Es ist ja so eine Sache mit den Sprichwörtern. Es gibt da eine gewisse Auswahl, wie zum Beispiel „Hochmut kommt vor dem Fall“. Ich würde mich nicht unbedingt als hochmütig ansehen, ich hatte einfach nur der Wunsch, etwas Großartiges zu kreieren. Nun ja, vielleicht war das ja doch zu hoch gegriffen. Vielleicht hätte ich etwas kleine Wünsche äußern sollen. Vielleicht sollte es reichen, dass ich Freude am Schreiben habe.
Ich beobachtete also, wie die Verkaufszahlen täglich steigen sollten und nervte das Autorenportal weiterhin. Nichts geschah, keine Veränderung in der Rubrik „verkaufte Bücher“. Da war bestimmt etwas kaputt. Ich wollte den Fehler aufdecken. Ich ging also in die Buchhandlung und bestellte mein Buch. Der Anruf der Buchhandlung, ich könne das Buch abholen, kam. Ich düste los, holte das Buch ab und warf zu Hause wieder das Notebook an, um das Autorenportal zu drangsalieren. Nichts.
Ich musste lernen geduldiger zu werden, die Verkäufe werden nicht umgehend, sondern mit Verzögerung angezeigt. Dann der feierliche Moment: Das zweite verkaufte Buch wurde angezeigt. Yeaaahhh! Gut, es war das Buch, das ich selbst gekauft hatte, aber immerhin war nichts kaputt. Und nun? Keiner will mein Buch lesen? Vielleicht hat die Welt doch nicht auf meine Geschichten gewartet, der Griff nach den Sternen war wohl doch leicht übertrieben. Ich war bitter enttäuscht, ich hatte mir so viel erhofft. Mein Traum wäre es eigentlich, vom Schreiben leben zu können. Den ganzen Tag lustige, spannende und abenteuerliche Freundschaftsgeschichten ausdenken und festzuhalten, das wäre was. Was habe ich gelernt? In erster Linie schreibe ich für mich, weil es mir Freude bereitet. Wenn andere Menschen ebenfalls Spaß an meinen Geschichten haben und diese gerne lesen, dann ist das für mich die Erfüllung. Über jeden einzelnen Leser freue ich mich, jeder einzelne Leser ist für mich das besondere Topping. Es ist egal, ob ich berühmt werde und meine Werke in aller Munde sein werden. Jedes einzelne Lächeln, dass meine Geschichten auf ein Gesicht zaubern, macht mich glücklich.

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